Auf der Suche nach Gerechtigkeit

Replik: „Die Entfesselung der U.S.A. – Ein Schurkenstaat auf der Weltbühne?“

Dass die Tötung Osama bin Ladens weder auf dem Boden des Völkerrechts geschah noch mit den rechtstaatlichen Grundsätzen der U.S.A. vereinbar ist, wurde von Sokrates eingehend erörtert (zum Artikel). Doch handelte es sich bei der „Operation Geronimo“ nicht nur um einen schlichten Rechtsbruch. Es war die Ansprache Obamas und die damit einhergehende mediale Begeisterungswelle des Kontinents, die dem begangenen Unrecht den Stempel des Rechts aufdrückte. Erst diese sophistische Legitimation des Mordkommandos durch die U.S.A., die moralische „Pseudo-Rechtfertigung“, setzte der fahrlässigen Rechtsbeugung noch die Krone auf.

„Justice has been done“, vier Worte des Stellvertreters der Supermacht auf Erden, die der Weltöffentlichkeit unmissverständlich klar machen sollten: Was wir getan haben, taten wir im Namen des Guten, und deshalb war es rechtens! Weitere Fragen – unerwünscht. Hier zeigt sich in geschichtsredundanter Weise, dass die gute Absicht wesentlich mehr Unheil in der Welt stiftet, als die böse. Während die böse Absicht, dem verkörperten Terrorismus  Bin Ladens immanent, der Stimme der Gerechtigkeit oder des moralischen Gewissens einigermaßen zugänglich ist, besitzt die gute Absicht eine janusköpfige Gestalt. Sie ist hart, unerschütterlich, denn es geschieht ja alles nur zum besten des großen Ganzen, des salus publica – der Aufrecherhaltung der internationalen Friedensordnung. Gewiss, Maximilien de Robespierre hat ebensowenig in böser Absicht seine Opfer eingekerkert, gefoltert und guillotiniert.

Im robespierrschen Sinne hätte Obamas Rechtfertigung auch wie folgt ausfallen können: „Wenn im Frieden die Tugend die treibende Kraft der Regierung ist, so sind es im Kampf gegen den Terrorismus zugleich die Tugend und die Tötung; die Tugend, ohne die die Tötung unheilvoll, die Tötung, ohne den die Tugend ohnmächtig ist.“

Nicht zuletzt war die gesamte dramaturgische Inszenierung der Operation Geronimo, an der auch die antiken Sophistiker ihre wahre Freude gehabt hätten, auf heuchlerische Persuasion gerichtet. Man reichte häppchenweise Fakten, emotionale Bilder und lancierte völkerrechtsrevisionistische Presseartikel – selbst in großen deutschen Zeitungen. Die Öffentlichkeit sollte überzeugt und überredet werden, ihr rechtsstaatliches Empfinden an den Nagel zu hängen, um sich den Hut moralischer Überlegenheit aufzusetzen. Die mediale In-Szene-Setzung, mit all ihren dialektischen Spielereien und rhetorischen Jongleurkunststücken, kredenzte dem fernsehenden Zuschauer dafür eine leicht verdauliche Kost – einen Big Mac im Super-Sparmenü: Bin Ladens Tod zum Mitnehmen plus moralischer Rechtfertigung und ohne langwieriges Gerichtsverfahren.

Ich empfehle daher: Vollkornkost!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Islam, U.S.A., UN-Charta abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Auf der Suche nach Gerechtigkeit

  1. Pingback: Auf der Suche nach Gerechtigkeit | heliaia – ἠλιαία

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s